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All About Anime #04 – Warum gibt es Zensur bei Anime?

Jeder Animefan kennt sie: die Lichtstrahlen, der Dunst oder der verkleinerte Bildausschnitt. Manchmal sogar ganz offen und ehrlich mit Zensurbalken, Punkten oder Franchise-Logos. Aber warum gibt es diese Zensur überhaupt? Dieser Frage möchten wir uns heute stellen. Um diese Frage zu beantworten, muss man erstmal zwischen zwei Formaten, in denen Animes veröffentlicht werden, unterscheiden: die TV-Version und die DVD beziehungsweise Blu-ray-Version.

In Japan werden die meisten Animes zuerst im Fernsehen ausgestrahlt bevor die Werke dann auf Disc erscheinen. Damals gab es noch öfters eigenständige OVAs, also Animes, welche direkt auf DVD bzw. eher damals VHS veröffentlicht wurden. Dies ist jedoch heutzutage nicht mehr der Fall und die OVA tritt eigentlich nur noch in Form einer Bonusfolge auf. So wird diese oft bei der letzten Volume als Extra beigelegt und soll dazu anregen, die Volume bzw. am besten gleich die ganze Serie zu kaufen. Diese TV-Fassung ist auch meistens das, was die deutschen Publisher für ihren Simulcast erhalten. Nach der TV-Ausstrahlung wird die Serie dann meist auf DVD beziehungsweise Blu-ray veröffentlicht.

Aber warum ist das eigentlich so? Warum veröffentlicht man ein Produkt in zwei Stufen?
Neben der offensichtlichen Antwort, also dass zwei Veröffentlichungen potentiell mehr Geld einspielen können als eine, liegt darin auch eine wichtige Teilantwort für unsere Ausgangsfrage begraben.

So könnte man ja auch fragen, warum man den Ablauf nicht einfach umdreht, also zuerst die Home-Video-Fassung und dann die Fernsehausstrahlung. So ist es z.B. bei Kinofilmen. Dabei ignoriert man natürlich, dass ein Kinofilm logischerweise vorher im Kino lief. Der Grund ist für beide ähnlich. Man will die größtmögliche Zuschauerschaft erreichen und gleichzeitig das meiste Geld machen. Ein Film wird im Fernsehen nur einmal gezeigt, wohingegen er im Kino wochenlang läuft. Außerdem sind die Kinokarten im Vergleich zu den Rundfunkgebühren deutlich teurer oder eben die Einnahmen durch Werbung bei Privatsendern geringer. Und wenn man halt nicht viel Geld einnimmt bzw. zur Verfügung hat, kann man den Rechteinhabern für ihre Filme auch nicht viel zahlen. Das Kino ist also die beste Methode, um einen Film bekannt zu machen. Er läuft dort lange, der Konkurrenzdruck ist nicht so groß wie im Fernsehen und auf der großen Leinwand sieht er nochmal besser aus.

Animeserien dagegen können sich eine solche Kinoveröffentlichung nicht leisten bzw. sie eignet sich gar nicht für das Format der Serie. Deswegen greift man also auf das Fernsehen zurück, welches eben besonders für Serien bekannt ist. Dadurch dass man sich dort als Zuschauer das Programm auch für einen geringen jährlichen Betrag unbegrenzt ansehen kann, hat das Fernsehen in der Hinsicht gegenüber dem Kino einen Vorteil. Man kann als Zuschauer ohne Probleme mal in eine Serie reinschnuppern, schauen ob sie einem gefällt und wenn ja nächste Woche wieder einschalten oder eben weiterzappen.
Aber das reicht vielen Anime-Produzenten noch nicht. Sie wollen mit ihren Serien ein noch größeres Publikum ansprechen.

Warum? Weil man somit möglichst viele potentielle Fans und Käufer erreichen kann. Und wie macht man das? Indem man die Ecken und Kanten der Serie abrundet und diese Ecken und Kanten sind oft explizite Ecchi- oder Gewaltszenen. So kommt es auch oft im deutschen Fernsehen vor, dass ein Film geschnitten wird, um ihn um 20:15 Uhr, also auch für die 12-jährigen zur besten Sendezeit ausstrahlen zu können. Logischerweise schauen um die Zeit mehr Leute Fernsehen als für FSK 16 Filme ab 22 Uhr und FSK 18 Content ab 23 Uhr. Deswegen wurden auch die langen Shounen Serien wie Naruto und One Piece zensiert, damit man sie eben im Nachmittags-Programm zeigen darf. Zwar werden in Japan viele Animes eh erst spät abends ausgestrahlt, aber wenn man diese nicht trotzdem zensiert, dürfte man sie vielleicht gar nicht auf dem Fernsehsender zeigen oder dies würde nicht zu seinem Image bzw. Portfolio passen.

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