Chainsmoker Cat im Ersteindruck

Chainsmoker Cat, im japanischen Original Yani Neko (ヤニねこ), gehört ohne Zweifel zu den ungewöhnlichsten Anime der aktuellen Season. Die Serie basiert auf dem gleichnamigen Manga von NyanNyanFactory und dreht sich um Yaniko – eine Katzenfrau, deren Alltag maßgeblich von ihrer ausgeprägten Nikotinabhängigkeit bestimmt wird.

Und damit ist eigentlich bereits ziemlich gut beschrieben, was Chainsmoker Cat so außergewöhnlich macht: Statt einer niedlichen Katzenfigur, die durch eine friedliche Slice-of-Life-Welt streift, bekommen wir eine kettenrauchende, finanziell chronisch klamme und alles andere als vorbildliche Protagonistin präsentiert.

Ein Konzept, das zunächst vollkommen absurd klingt – hinter dessen schwarzem Humor sich meiner Meinung nach jedoch durchaus mehr verbirgt.

Handlung – Der chaotische Alltag einer nikotinsüchtigen Katze

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Yaniko, eine Katzenfrau, die in einem kleinen Apartment lebt und vor allem ein großes Problem hat: ihre Abhängigkeit vom Rauchen. Ein beträchtlicher Teil ihres Alltags dreht sich darum, an Zigaretten zu kommen und ihre Sucht zu befriedigen. Gleichzeitig hat sie Schwierigkeiten, ihre Miete zu bezahlen und dauerhaft einer Arbeit nachzugehen.

Schon die Ausgangslage macht deutlich, dass Chainsmoker Cat seine Hauptfigur keineswegs als klassische Anime-Heldin präsentiert. Yaniko ist keine strahlende Protagonistin, die sich von Episode zu Episode einem großen Ziel nähert. Sie ist vielmehr eine chaotische und problembehaftete Figur, deren Lebensstil einen erheblichen Teil der Comedy ausmacht.

Genau darin liegt für mich aber auch ein überraschend interessanter Aspekt der Serie. Denn obwohl Chainsmoker Cat seine Thematik mit schwarzem Humor und einer vollkommen absurden Grundidee präsentiert, wirkt Yanikos Abhängigkeit nicht unbedingt erstrebenswert. Ganz im Gegenteil: Ihr Alltag wird durch ihre Sucht erheblich beeinflusst.

Natürlich sollte man Chainsmoker Cat nicht plötzlich zu einem pädagogischen Aufklärungsanime erklären. Das ist die Serie offensichtlich nicht. Dennoch empfinde ich die Darstellung bislang durchaus als eine Art überspitztes Mahnmal für die Folgen einer Abhängigkeit.

Denn auch wenn Nikotin gesellschaftlich häufig anders wahrgenommen wird als viele illegale Substanzen, bleibt es eine suchterzeugende Droge. Und genau diese Abhängigkeit wird bei Yaniko in einer völlig überzeichneten Form zum zentralen Bestandteil ihres Lebens.

Geschichte – Schwarzer Humor statt klassischer Entwicklung

Die Geschichte von Chainsmoker Cat lebt bislang weniger von einem großen, zusammenhängenden Handlungsbogen als vom chaotischen Alltag seiner Protagonistin. Der Fokus liegt auf den Situationen, die durch Yanikos Lebensweise und insbesondere ihre Abhängigkeit entstehen.

Dabei setzt der Anime stark auf schwarzen und teilweise bewusst geschmacklosen Humor. Die Serie möchte offensichtlich nicht jedem gefallen – und das merkt man bereits sehr früh.

Gerade dieser kompromisslose Ansatz dürfte auch ein Grund dafür sein, warum das Werk Diskussionen hervorruft. Eine rauchende Katzenfrau als Hauptfigur ist schon ungewöhnlich genug. Wenn ihre Sucht dann auch noch zum Ausgangspunkt zahlreicher Gags wird, ist beinahe vorprogrammiert, dass die Serie unterschiedlich aufgenommen wird.

Für mich funktioniert dieser Ansatz bislang jedoch erstaunlich gut. Denn der Anime scheint Yanikos Lebensweise nicht einfach als cool oder erstrebenswert zu präsentieren. Vielmehr entsteht der Humor gerade daraus, wie absurd und problematisch ihr Alltag aufgrund ihrer eigenen Entscheidungen und ihrer Abhängigkeit geworden ist.

Das ist ein wichtiger Unterschied.

Man kann sicherlich darüber diskutieren, ob eine solche Thematik auf diese Art dargestellt werden sollte. Ich persönlich sehe darin bislang jedoch keine Verherrlichung des Rauchens. Im Gegenteil: Wenn eine Figur ihr Leben immer wieder ihrer nächsten Zigarette unterordnet und dadurch in zunehmend absurde Situationen gerät, dann wirkt das auf mich eher abschreckend als glamourös.

Natürlich bleibt abzuwarten, wie sich die Serie im weiteren Verlauf entwickelt. Als Ersteindruck funktioniert diese Mischung aus Slice of Life, schwarzem Humor und einer bewusst problematischen Hauptfigur für mich jedoch erstaunlich gut.

Idee / Setting – So absurd, dass es schon wieder funktioniert

Die große Stärke von Chainsmoker Cat ist für mich eindeutig seine vollkommen durchgeknallte Grundidee.

Eine kettenrauchende, zigarettensüchtige Katzenfrau als Hauptfigur eines Anime?

Allein dieser Satz klingt wie eine Idee, die irgendwann mitten in der Nacht entstanden sein könnte. Und trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – funktioniert das Konzept.

Anime ist ein Medium, das uns mittlerweile wirklich alles geboten hat. Menschen werden als Schleime, Verkaufsautomaten und die unterschiedlichsten Kreaturen wiedergeboren. Wir haben sprechende Tiere, anthropomorphe Figuren und die verrücktesten Fantasy-Welten gesehen. Trotzdem schafft es Chainsmoker Cat, mit seiner vergleichsweise simplen Idee noch einmal aufzufallen.

Das liegt vor allem am Kontrast.

Katzen und insbesondere Katzenmädchen werden in Anime normalerweise mit Niedlichkeit verbunden. Sie sind verspielt, unschuldig und sollen beim Zuschauer einen gewissen „Kawaii“-Effekt auslösen.

Yaniko stellt dieses Bild vollkommen auf den Kopf.

Sie ist zwar äußerlich eine Katzenfrau, entspricht in ihrem Verhalten aber überhaupt nicht dem klassischen Idealbild einer niedlichen Anime-Katzenfigur. Stattdessen ist ihr Alltag von ihrer Nikotinabhängigkeit, finanziellen Problemen und einem generell chaotischen Lebensstil geprägt.

Genau dieser Gegensatz macht die Serie für mich so interessant.

Die niedliche Optik trifft auf ein Thema, das alles andere als niedlich ist. Dadurch entsteht eine Form von schwarzem Humor, die sich deutlich von vielen gewöhnlichen Slice-of-Life-Anime unterscheidet.

Gleichzeitig kann man das Setting durchaus als überspitzte Darstellung von Suchtverhalten betrachten. Yaniko ist abhängig, und diese Abhängigkeit beeinflusst ihren Alltag. Ihre Prioritäten verschieben sich, Geld wird zum Problem und die Sorge ihres Umfelds spielt ebenfalls eine Rolle.

Für mich funktioniert Chainsmoker Cat deshalb auf zwei Ebenen: als vollkommen absurde Comedy über eine kettenrauchende Katze und gleichzeitig als überzeichnete Darstellung davon, wie stark eine Abhängigkeit das Leben eines Menschen – oder in diesem Fall einer Katzenfrau – bestimmen kann.

Charaktere – Eine bewusst problematische Hauptfigur

Yaniko ist zweifellos das Herzstück der Serie.

Dabei ist sie nicht unbedingt eine Figur, die man im klassischen Sinne als Vorbild bezeichnen würde. Ganz im Gegenteil: Sie ist chaotisch, verantwortungslos und von ihrer Sucht geprägt.

Doch genau das macht sie interessant.

Nicht jede Hauptfigur muss moralisch einwandfrei oder besonders sympathisch sein. Gerade problematische Charaktere können eine Geschichte interessant machen, wenn ihre Fehler bewusst Teil ihrer Persönlichkeit und der Erzählung sind.

Bei Yaniko funktioniert das bislang gut. Ihre Nikotinsucht ist kein kleines Charaktermerkmal, das gelegentlich für einen Gag hervorgeholt wird. Sie ist ein zentraler Bestandteil ihres Alltags und damit auch der Geschichte.

Trotz ihrer zahlreichen Fehler besitzt Yaniko gleichzeitig eine gewisse Ausstrahlung, durch die man ihr weiterhin zuschauen möchte. Sie ist chaotisch und teilweise geradezu hoffnungslos, aber eben auch auf eine merkwürdige Weise unterhaltsam.

Da es sich hierbei um einen Ersteindruck handelt, möchte ich die weitere Charakterentwicklung noch nicht abschließend bewerten. Entscheidend wird sein, ob die Serie ihre Figuren langfristig über ihre jeweiligen Gags und Eigenheiten hinaus entwickeln kann.

Das Potenzial dafür ist auf jeden Fall vorhanden.

Bild / Animation – Der Kontrast ist entscheidend

Produziert wird Chainsmoker Cat von Bibury Animation Studios, und visuell macht der Anime bislang einen gelungenen Eindruck.

Besonders wichtig ist dabei meiner Meinung nach das Charakterdesign von Yaniko. Die Serie muss einen schwierigen Spagat bewältigen: Ihre Protagonistin soll auf der einen Seite als Katzenfigur einen gewissen Niedlichkeitsfaktor besitzen, auf der anderen Seite aber einen vollkommen chaotischen und von ihrer Sucht geprägten Lebensstil verkörpern.

Dieser Kontrast funktioniert visuell ausgesprochen gut.

Gerade die Mimik und Körpersprache tragen viel zum Humor bei. Der Anime lebt nicht ausschließlich von seinen Dialogen, sondern auch davon, wie Yaniko auf bestimmte Situationen reagiert und wie ihre Persönlichkeit durch kleine Bewegungen und Gesichtsausdrücke vermittelt wird.

Die Animation muss dabei nicht permanent mit spektakulären Actionsequenzen beeindrucken. Chainsmoker Cat ist schließlich in erster Linie eine Comedy- und Slice-of-Life-Serie. Viel wichtiger sind Timing, Ausdruck und die Inszenierung der jeweiligen Pointen.

Und genau hier macht der Anime bislang vieles richtig.

Besonders gelungen finde ich erneut den visuellen Gegensatz zwischen der grundsätzlich niedlichen Anime-Ästhetik und dem alles andere als idyllischen Lebensstil der Hauptfigur. Diese Diskrepanz ist ein wesentlicher Bestandteil der Identität der Serie und wird durch die visuelle Umsetzung gut transportiert.

Musik

Die musikalische Untermalung stammt von Keiichi Suzuki und fügt sich bislang passend in den ungewöhnlichen Ton der Serie ein.

Gerade bei einer Comedy wie Chainsmoker Cat ist Musik ein wichtiger Bestandteil des Timings. Sie muss Pointen unterstützen, darf sich aber gleichzeitig nicht zu stark in den Vordergrund drängen.

Bislang erfüllt der Soundtrack diese Aufgabe gut. Die Musik unterstützt sowohl die absurden als auch die ruhigeren Alltagsszenen und trägt dazu bei, den eigenwilligen Charakter der Serie zu unterstreichen.

Eine endgültige Bewertung der Musik möchte ich nach dem bisherigen Ersteindruck allerdings noch nicht abgeben. Dafür muss sich zunächst zeigen, wie abwechslungsreich der Soundtrack über die gesamte Laufzeit eingesetzt wird.

Japanische Synchronisation

Da für Chainsmoker Cat bislang keine deutsche Synchronisation vorliegt, bezieht sich mein Ersteindruck ausschließlich auf die japanische Sprachausgabe.

Yaniko wird von Yūko Natsuyoshi gesprochen, und ihre Performance passt bislang sehr gut zum Charakter. Gerade bei einer Figur wie Yaniko ist die stimmliche Umsetzung besonders wichtig. Die Rolle muss gleichzeitig chaotisch, komödiantisch und glaubwürdig funktionieren, ohne dass die Figur permanent wie eine einzige übertriebene Karikatur wirkt.

Dieser Balanceakt gelingt bislang gut.

Die Stimme trägt einen wesentlichen Teil dazu bei, Yaniko trotz – oder vielleicht gerade wegen – ihrer zahlreichen problematischen Eigenschaften zu einer unterhaltsamen Hauptfigur zu machen.

Wie ich bereits bei anderen Ersteindrücken erwähnt habe, ist mein Japanisch natürlich nicht gut genug, um die sprachliche Qualität einer japanischen Synchronisation bis ins kleinste Detail zu beurteilen. Rein von der stimmlichen Besetzung, der Emotion und dem Zusammenspiel mit den Animationen macht die japanische Fassung bislang jedoch einen überzeugenden Eindruck.

Fazit – Durchgeknallt, kontrovers und überraschend interessant

Chainsmoker Cat ist definitiv kein gewöhnlicher Anime.

Die Grundidee einer kettenrauchenden, zigarettensüchtigen Katzenfrau ist dermaßen absurd, dass man sich zunächst durchaus fragen kann, wie daraus eine komplette Serie entstehen soll. Nach dem bisherigen Ersteindruck muss ich jedoch sagen: Erstaunlich gut.

Gerade die Kombination aus schwarzem Humor, Slice of Life und einer bewusst problematischen Hauptfigur verleiht dem Anime eine eigene Identität.

Auch wenn die Serie bereits für Diskussionen sorgt, empfinde ich die Darstellung von Yanikos Sucht bislang nicht automatisch als Verherrlichung des Rauchens. Für mich funktioniert der Anime sogar eher in die entgegengesetzte Richtung.

Yaniko ist abhängig. Ihre Sucht beeinflusst ihren Alltag, ihre Finanzen und ihr Umfeld. Das Ganze wird zwar vollkommen überzeichnet und für Comedy genutzt, doch gerade diese Übertreibung kann auch verdeutlichen, wie absurd ein Leben werden kann, wenn eine Abhängigkeit zunehmend die eigenen Prioritäten bestimmt.

Nikotin ist schließlich keine harmlose Gewohnheit, sondern eine suchterzeugende Droge. Und genau deshalb empfinde ich Chainsmoker Cat trotz seiner vollkommen durchgeknallten Inszenierung bislang durchaus als eine Art unfreiwilliges Mahnmal für die Auswirkungen von Drogenkonsum und Abhängigkeit.

Natürlich sollte man die Serie dabei nicht ernster machen, als sie sein möchte. In erster Linie ist Chainsmoker Cat eine schwarze Comedy über eine vollkommen chaotische Katzenfrau.

Aber gerade die besten Satiren und Komödien können unter ihrer absurden Oberfläche etwas zeigen, über das man zumindest einen Moment länger nachdenkt.

Ob Chainsmoker Cat dieses Potenzial über die gesamte Laufzeit halten und vielleicht sogar weiter ausbauen kann, bleibt abzuwarten.

Mein erster Eindruck fällt jedenfalls positiv aus: vollkommen durchgeknallt, bewusst geschmacklos und definitiv nicht für jeden geeignet – aber gerade deshalb einer der ungewöhnlichsten Anime der aktuellen Season.

 

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